Sina’s FSJ

IMG_0005-1-281x300Mein FSJ
(von Sina Klinkmüller)

Als ich mich für das FSJ entschieden habe, wollte ich gerne eine Assistenz von einem Kind übernehmen. Das nennt man Teilhaber-Assistenz. Ich wollte gerne ein einzelnes Kind haben, das ich betreue und dem ich beiseite stehe.
Zum Glück klappte dann auch alles und von meinem Probetag war ich sehr begeistert.
Ich muss aber zugeben, dass ich mir anfangs alles ganz anders vorgestellt habe. Ich dachte, dass die Kinder normal rechnen, lesen und schreiben lernen, dabei kommt es (natürlich in der Grundstufe) auch auf ganz viele andere Dinge drauf an. Die Kinder sind alle sehr unterschiedlich – jedes ist eben ein Individuum. Die Kinder lernen den täglichen Ablauf in einer Schule. Mit dem einen lernen wir die Farben, mit dem anderen nähern wir uns langsam den Buchstaben an und mit anderen können wir schon das Lesen trainieren. Da jedes Kind anders ist, muss jedes Kind nach seiner Persönlichkeit gefördert werden.

Da ich ja die Betreuung von einem Kind habe, kümmere ich mich meistens speziell um dieses Kind, habe aber natürlich auch einen engen Kontakt zu den anderen Kindern der Lerngruppe..

Bei der Teilhaber Assistenz ist es so, dass dieses Kind noch mehr Hilfe benötigt, als andere. Es kann z.B. sein, dass dieses Kind (noch) nicht in der Lage ist selbstständig zu essen, in verschiedenen Situationen gerne mal abhaut oder dieses Kind einfach noch mehr gefördert werden muss, weil es noch massive Entwicklungsstörungen hat.
Für viele Kinder ist es anfangs wichtiger erst mal die Regeln in der Schule/Klasse zu kennen, ihnen die allgemeinen Umgangsformeln beizubringen (beim Essen, Begrüßung…), mit ihnen die Farben und Formen zu lernen oder ihnen den Umgang mit den Klassen- und Schulkameraden näher zu bringen. Bevor diese, für uns normalen, Dinge des Lebens nicht funktionieren, hat es keinen Sinn den Kindern Zahlen oder Buchstaben beizubringen.

Hier ein Einblick in den Wochenplan der GS1:
Montag: Klassenfrühstück und Kunst
Dienstag: Sport
Mittwoch: Schwimmen oder Eselhof
Donnerstag: Musik
Freitag: Kochtag

Bei der Teilhaber Assistenz ist es so, dass ich das Kind durch die Woche begleite.
Ich gebe Hilfestellung bei z.B. dem Fach Kunst und suche was Passendes im Sportunterricht für es.
Beim Schwimmen ziehe ich das Kind um, spiele im Wasser mit ihm und schaue darauf, dass es sich wieder abduscht.
Auf dem Eselhof begleite ich das Kind durch die Therapie mit den Tieren.
Ich bringe es den Eseln näher, versuche das Kind nach und nach an die Esel zu gewöhnen und schaue, ob es die Tiere streichelt oder striegeln kann.
Wenn es mit den Eseln vertrauter ist, kann es die Esel mit mir zusammen führen und gegebenenfalls sogar auf ihnen reiten.
Kochen wir in der Klasse, ist es meine Aufgabe das Kind dazu zu bringen mitzuhelfen und Spaß am Kochen zu haben. Es geht dann nicht darum, dass das Kind in einer anderen Ecke sitzt, um alleine zu spielen, sondern es bei den Aufgaben zu integrieren.

Zu den sonstigen Aufgaben bei einer Assistenz gehören das Wickeln, in gewisser Weise das Freund sein, acht auf das Kind geben, seine individuellen Lernziele zu verfolgen und Lernerfolge aufzubringen.
Ich muss dafür sorgen, wenn das Kind es nicht von alleine macht, dass das Kind seine Aufgaben in der Klasse macht. Dazu gehören: der Klassendienst (z.B. Tisch decken oder spülen), Zähne putzen und dass es immer sein Spielzeug wegräumt und nicht alles liegen lässt.

Zudem ist es natürlich von großer Bedeutung dem Kind die Grenzen klar aufzuzeigen.
Anfangs fiel es mir ehrlich gesagt schwer, da ich mich erst an alles gewöhnen musste. Mittlerweile klappt dies aber schon von allein. Viele Kinder sind sehr anhänglich und zeigen einem gerne Ihre Liebe. Man muss natürlich für sich selbst entscheiden, wo die eigenen Grenzen sind und wie nah man verschiedene Kinder an sich heran lässt. Bei meinem Kind aus der Grundstufe (und auch den anderen Kindern aus der Klasse) habe ich ein näheres Verhältnis (die jüngeren Kinder müssen erst noch Distanz lernen oder dass man Frauen nicht auf den Popo haut 😉 ), als zu den Älteren. Es gibt ja viele Schüler, die gleichaltrig oder sogar älter sind- denen muss man eben erst zeigen, wie die Rollenverteilung ist. Das Verhältnis zu den Kindern ist also auch von Alter, Geschlecht und Reife abhängig.

Ich hoffe ihr könnt euch jetzt mehr unter dem FSJ für eine Teilhaber- Assistenz vorstellen und habt einen genaueren Einblick in den Schulalltag bekommen.

Eure FSJ’lerin Sina K.

PS. Übrigens habe ich auch eine eigene Internetseite. Wenn ihr Lust habt mehr über Zöliakie zu erfahren, schaut doch mal vorbei: Sinas Seite